Problemanalyse, Status Quo Check und Lösungsansätze
zum FachartikelMedien und Politik sind sich einig: Hauptverursacher der Phosphateutrophierung ist die Landwirtschaft.
Aber eine neue Studie aus Saarland nennt die Kläranlagen als
größten Faktor bei Phosphateinträgen in Gewässer. Und bestätigt somit die Studienergebnisse aus Hessen und aus Tschechien. Wie kann das sein?
Ich gehe dem nach und zeige auf woher die Unterscheide kommen und was wir mit den neuen Erkenntnissen schaffen können.
Das Thema Phosphateutrophierung ist komplex - deshalb ist auch diese Analyse hier dementsprechend umfassend. Wer nun nur nach einem bestimmten Aspekt sucht findet hier die direkten Einstiege in die einzelnen Themenkomplexe:
Seel & Hessen Fazit - Hauptverursacher? Neuster Stand - Saarland Fazit - Die Lösung aus der Praxis? Kontext? Fazit - Die Lösung? schmittDamit das kommende leichter verständlich ist, hab ich hier die wichtigsten Definitionen für das Thema zusammen gefasst
Phosphat, Phosphor, Eutrophierung...?in HESSEN
Prof. Dr. Peter
An den Anfang der Analyse möchte ich Peter Seel stellen. Prof. Dr. Seel hat sich jahrzehntelang mit Gewässereinträgen an der HLNUG Wiesbaden (Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie) beschäftigt. Bereits Anfang 2000 wies er in einem Vortrag darauf hin, dass seine bisherigen Messreihen die Phosphateinträge auf die Kläranlagen zurückführen können. Er vertiefte seine Arbeit in diesem Gebiet weiter und stellte sie immer wieder in Vorträgen vor. Einige seiner Arbeiten und Vorträge davon möchte ich hier aufgreifen.
2019 (Quelle s.u.) war er zum Vortrag DWA Landesverbandstagung Nord geladen, und sprach auch dort über das Thema Phosphateutrophierung. Dort zeigte er u.a. auf, dass in den zahlreichen Messreihen von 2010-2016, die Messstellen bei den Kläranlagen "ein deutlich höheres Konzentrationsniveau [haben] als Messtellen ohne Kläranlageneinfluss" (siehe Bild).
Letztere überschritten nur ca. 10% die Orientierungswerte - weitere Nachforschungen ergaben, dass diese 10% aus der Abwasserentsorgung stammen: maroden Mischwasserentlastung, Kanalrohren im Siedlungsgebiet und nicht erfasste gewerbliche Einleitungen.
Bereits 2009 begann das Land Hessen ihre Kläranlagen nachzurüsten, mit Erfolg! Die Grenzwerte wurden nicht nur einhalten sondern sogar unterschritten!
Quelle
2023 Gewässerbericht Hessen
"Als dominierende Eintragsquelle von gelöstem Phosphor (Ortho-P) im Gewässer konnten anhand der
hessischen Daten kommunale Kläranlagen identifiziert werden. Durch die Umsetzung des WRRL-Maßnahmenprogramms in Hessen 2015–2021 ergaben sich deutliche Reduktionen der Phosphor Einträge kommunaler Kläranlagen" [S.50]
"Ergebnisse in Abbildung 50 zeigen die Entwicklung
von Ortho-Phosphat im Vergleich zu den Untersuchungszeiträumen 2007–2011 und 2018–2023. Der
Anteil der regelmäßig untersuchten 391 Wasserkörper mit Einhaltung des Orientierungswertes Ortho Phosphat ist gestiegen. Um die Orientierungswerte
künftig einhalten zu können, besteht jedoch noch weiterer Handlungsbedarf."
[S.52], Stand 2023
& Co.
Was sagt denn nun ...
[S.28]
Wer ist denn nun...
Kurz gesagt:
Die Kläranlagen
Die Wissenschaftler finden in ihrer neuesten Untersuchung (IZES 2021, s.o.) klare Lösungsansätze:
Die neue EU-Abwasser-Richtlinie
Hessen, Tschechien und Schlussendlich das Saarland haben gezeigt: Die Maßnahmen an der Landwirtschaft zeigen keinen Erfolg.
Kubiniok und Honecker 2015 und Schmitt et a. 2018 bilden die Grundlage der DüV und der AVDüV - somit die Grundlage für die Einschränkungen der Landwirtschaft. Schmitt et al. hat seine Studie auf das Theel Einzugsgebiet im Saarland ausgerichtet. Und in diesem Gebiet konnten die Wissenschaftler der Studie des IZES 2021 nachweisen, dass die theoretischen Modelle fehlerhaft sind und konnten zudem mit Messungen und neuen Modellen nachweisen dass auch die Landwirtschaft nicht der Hauptverantwortliche ist.
Trotz der neuen Erkenntnisse handeln wir aber immer noch nach dem veralteten Wissen.
Nun geht es drum auch danach zu handeln. Denn ehrlicher Gewässerschutz erfordert ein ehrliches Verursacherprinzip.
Bildquelle: https://www.lfl.bayern.de/rote-gebiete/
* Hinweis: Die Messstellen, - meldung, -verordnung und die -netze sind ein komplette eigenes Thema. In Kurz: unser Messstellennetz ist nicht repräsentativ. Deshalb kann man nicht aufgrund einer Gebietsausweisung auch davon ausgehen, dass diese Zuweisung zutrifft. Ich versuche in Kürze das für euch aufzuschließen - falls Fragen auftreten gerne kontaktieren.
Phosphor (P) kommt in Wasser als negativ geladenes Phosphat-Ion vor und ist ein chemische
Element.
Während Phosphat (PO₄³-) die gebundene Form des Phosphors ist, die in
der Natur und im Körper vorkommt. Phosphat wird von Lebewesen als Nährstoff gebraucht.
Zu viel Phosphat in Gewässern führt zu
übermäßigem Algenwachstum, verbunden mit Sauerstoffmangel für Fische und
alle anderen Wasserorganismen.
Eutrophierung ist die unerwünschte Zunahme u.a. eines Gewässers an Nährstoffen und damit verbunden schädliches Pflanzenwachstum (z.B. übermäßigem Algenwachstum) sowie Sauerstoffmangel für Fische und
alle anderen Wasserorganismen.
Phosphat-Eutrophierung ist somit eine Überdüngung von Gewässern durch zu viel Phosphat.